Waren Germanen tätowiert?

Ob die Germanen tätowiert waren, ist eine Frage, die Historiker und Archäologen seit Langem beschäftigt. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, da direkte Beweise wie erhaltene Haut kaum existieren. Dennoch lassen sich aus antiken Schriftquellen, archäologischen Funden und Vergleichen mit benachbarten Kulturen begründete Rückschlüsse ziehen.

Schriftliche Quellen

Römische Autoren wie Tacitus, Caesar oder Plinius der Ältere beschrieben die Germanen aus ihrer eigenen kulturellen Perspektive. Explizite Hinweise auf Tätowierungen finden sich nur selten. Caesar erwähnt bei den Briten, die er mit den Germanen kulturell verwandt sah, eine Körperbemalung mit Waid (Isatis tinctoria), die den Körper blau färbte. Ob es sich dabei um dauerhafte Tätowierungen oder um temporäre Bemalungen handelte, bleibt unklar.

Tacitus beschreibt die Germanen als kriegerisch und körperbetont, geht jedoch nicht konkret auf Tätowierungen ein. Das Schweigen der Quellen bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass Tätowierungen unbekannt waren – römische Autoren hielten solche Praktiken oft für „barbarisch“ und erwähnten sie nur beiläufig oder abwertend.

Archäologische Hinweise

Direkte archäologische Belege für Tätowierungen bei Germanen fehlen weitgehend. Allerdings wurden Werkzeuge wie Nadeln, Knochenspitzen und Farbpigmente gefunden, die theoretisch für Tätowierungen genutzt worden sein könnten. Diese Funde lassen jedoch keine eindeutigen Schlüsse zu, da sie auch anderen Zwecken gedient haben können.

Vergleich mit anderen Kulturen

In vielen indoeuropäischen und nordischen Kulturen waren Tätowierungen nachweislich verbreitet, etwa bei Skythen oder später bei Wikingern. Der arabische Reisende Ahmad Ibn Fadlan beschrieb im 10. Jahrhundert die Rus (die oft mit Nordgermanen in Verbindung gebracht werden) als von Kopf bis Fuß tätowiert. Dies deutet zumindest darauf hin, dass Körperverzierungen im nördlichen Europa eine längere Tradition hatten.

Bedeutung von Körperbemalung

Auch wenn dauerhafte Tätowierungen nicht sicher belegt sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass Germanen Körperbemalungen, Narbenschmuck oder rituelle Markierungen kannten – insbesondere im kriegerischen oder religiösen Kontext. Solche Markierungen konnten Zugehörigkeit, Status oder spirituellen Schutz symbolisieren.

Fazit

Ob die Germanen tätowiert waren, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Es gibt keine direkten Beweise, aber mehrere indirekte Hinweise, die darauf hindeuten, dass zumindest Körperbemalung und möglicherweise auch Tätowierungen Teil ihrer Kultur waren. Die Vorstellung völlig „unverzierter“ Germanen gilt heute als überholt – vielmehr waren sie wahrscheinlich ebenso vielfältig in ihren Bräuchen wie andere antike Völker.


Wenn du möchtest, kann ich den Text auch kürzer, schulischer, populärwissenschaftlich oder für einen Blog/Instagram-Beitrag umschreiben.

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