Armut in Deutschland – Zahlen, Bedeutung und Entwicklung

Auch in einem der reichsten Industrieländer Europas bleibt Armut ein zentrales sozialpolitisches Thema. Trotz einer starken Wirtschaft sind Millionen Menschen in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen – mit deutlichen regionalen und gruppenspezifischen Unterschieden.


1. Wie viele Menschen sind betroffen?

Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) waren im Jahr **2023 rund 17,7 Millionen Menschen in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht – das entspricht etwa 21,2 % der Bevölkerung. Diese Zahl umfasst Personen, die unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze leben, deutlich materielle Entbehrung erfahren oder in Haushalten mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung leben. (Destatis)

Davon waren etwa 14,3 % armutsgefährdet im engeren Sinne – also mit einem Einkommen von weniger als 60 % des mittleren Einkommens. (Destatis)


2. Armutsgrenze und Definition

Als armutsgefährdet gilt, wer über ein Einkommen von weniger als 60 % des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens der Bevölkerung verfügt. Dabei wird das Einkommen je nach Haushaltsgröße gewichtet:

  • Für Alleinlebende lag diese Schwelle 2023 bei etwa 1.310 € netto pro Monat,
  • für eine Familie mit zwei Kindern bei rund 2.751 € netto. (Destatis)

Diese statistische Definition ist international üblich und dient der Vergleichbarkeit zwischen Ländern.


3. Entwicklung der Armut

Nach aktuellen Daten sank die Armutsgefährdungsquote in den letzten Jahren nicht deutlich, sondern blieb auf hohem Niveau – begleitet von steigenden Lebenshaltungskosten, besonders bei Miete und Energie. (Destatis)

So meldete der Paritätische Wohlfahrtsverband für 2024 eine Armutsquote von rund 15,5 % der Bevölkerung – etwa 13 Millionen Menschen mit Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. (cereport.eu)


4. Armut bei bestimmten Gruppen

Kinder und Jugendliche

Etwa 14 % aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren waren von Armut gefährdet. Besonders betroffen sind Kinder aus Haushalten mit niedrigem Bildungsstand der Eltern oder Migrationshintergrund. (Anadolu Ajansı)

Ältere Menschen

Auch ältere Menschen sind einem wachsenden Armutsrisiko ausgesetzt: Laut Eurostat lagen über 3 Millionen Personen über 65 Jahre im Jahr 2023 im Bereich der Armutsgefährdung – ein Anstieg gegenüber früheren Jahren. (IamExpat in Germany)

Mieterinnen und Mieter

Studien zeigen, dass Mieter*innen besonders betroffen sind: Fast jeder vierte Mieter war armutsgefährdet, weil hohe Wohnkosten einen großen Anteil des Einkommens verschlingen. (DIE WELT)


5. Regional unterschiedliche Armut

Die Armutsgefährdung variiert je nach Bundesland stark:

  • In Bremen und Berlin sind besonders hohe Quoten gemessen worden,
  • während Bayern und Baden‑Württemberg vergleichsweise niedrigere Armutsrisiken aufweisen. (vostel.de)

6. Warum ist Armut relevant?

Armut bedeutet nicht nur ein niedriges Einkommen, sondern kann auch zu sozialer Ausgrenzung, schlechterem Zugang zu Bildung, geringerer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und schlechter Gesundheit führen. Besonders steigende Wohnkosten, Energiepreise und geringe Löhne tragen dazu bei, dass Menschen trotz Arbeit oder Rente kaum finanziellen Spielraum haben. (UmweltDialog)


Fazit – Was sagen die Statistiken?

  •  Rund 21,2 % der Bevölkerung in Deutschland sind armutsgefährdet oder sozial ausgegrenzt. (Destatis)
  •  Etwa 15 % leben unter der Armutsgrenze, darunter viele alleinlebende Erwachsene, Kinder und ältere Menschen. (cereport.eu)
  •  Armut ist keine statische Größe, sondern hängt stark von Wohnkosten, Arbeitsmarktbedingungen und sozialen Sicherungssystemen ab. (UmweltDialog)

Auch wenn Deutschland zu den wirtschaftlich starken Ländern zählt, zeigt die Statistik: Armutsrisiken bleiben ein gesellschaftlich relevantes Thema, das politische Aufmerksamkeit und soziale Maßnahmen erfordert.


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