Römische Münzen Wert Tabelle: Denar, Sesterz, Aureus und As im Umrechnungsvergleich

Wer sich mit römischer Geschichte beschäftigt, stößt unweigerlich auf eine verwirrende Vielfalt an Münzbezeichnungen: As, Sesterz, Denar, Aureus, Dupondius, Antoninian. Anders als ein modernes Dezimalsystem beruhte das römische Münzwesen auf einem Geflecht fester Umrechnungsverhältnisse zwischen Metallen und Nominalen, das unter Augustus systematisiert wurde und rund zwei Jahrhunderte weitgehend stabil blieb. Dieser Beitrag ordnet die wichtigsten Münzen und ihre Werte übersichtlich ein.

Das Nominalsystem der frühen Kaiserzeit

Mit seiner Münzreform um 23 v. Chr. schuf Augustus ein System, das Gold- und Silberprägung unter kaiserlicher Kontrolle beließ, während der Senat die Ausgabe von Messing- und Kupfermünzen verantwortete – erkennbar an der Prägung „S C“ (senatus consulto) auf den Bronzenominalen. Die folgende Tabelle zeigt die Grundstruktur dieses Systems, wie es von der augusteischen Reform bis zur Krise des 3. Jahrhunderts im Wesentlichen bestand:

Nominal Metall Wert in As Wert in Sesterzen Wert in Denaren
Aureus Gold 400 100 25
Denar Silber 16 4 1
Sesterz Messing (Aurichalkum) 4 1 1/4
Dupondius Messing 2 1/2 1/8
As Kupfer 1 1/4 1/16
Semis Kupfer 1/2 1/8 1/32
Quadrans Kupfer 1/4 1/16 1/64
Zur Herkunft des Sesterz-Namens: Der Name „Sestertius“ leitet sich von „semis tertius“ ab, wörtlich „der dritte halbe“, was auf seinen ursprünglichen Wert von zweieinhalb As zur Zeit der Republik verweist. Erst ab etwa 130 v. Chr. wurde der Sesterz mit vier As gleichgesetzt – dieses Verhältnis blieb dann bis in die Kaiserzeit hinein bestehen.

Von der Republik zur Kaiserzeit: Wandel der Nominale

Die frühe Republik: As als Grundeinheit

Die ältesten römischen Münzen entstammen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und waren noch stark von griechischen Vorbildern geprägt. Das As, ursprünglich ein schweres, gegossenes Kupferstück (Aes grave), bildete zunächst die Grundeinheit des Systems. Um 269 v. Chr. begann Rom mit der Prägung eigener Silbermünzen.

211 v. Chr.: Einführung des Denars

Im Zuge des Zweiten Punischen Krieges wurde der Denar als neue Hauptsilbermünze eingeführt, zunächst im Wert von zehn As – worauf sich auch sein Name bezieht (von „deni“, zehn). Gemeinsam mit dem Denar kamen auch der Sesterz und der Quinar (fünf As) als kleinere Silbernominale in Umlauf.

23 v. Chr.: Die augusteische Münzreform

Augustus ordnete das gesamte System neu: Der Aureus wurde zur festen Goldmünze im Wert von 25 Denaren, der Denar zur Silbermünze im Wert von 16 As, und Sesterz sowie Dupondius wurden fortan aus Messing statt aus Silber geprägt. Dieses System blieb in seinen Grundzügen rund zwei Jahrhunderte lang gültig.

Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr.: Beginn der Münzverschlechterung

Bereits unter Nero (54–68 n. Chr.) begann eine schleichende Entwertung: Das Gewicht des Aureus sank, und der Silbergehalt des Denars wurde reduziert. Dieser Prozess der Münzverschlechterung (Debasierung) setzte sich in den folgenden Jahrhunderten fort, da die Münzstätten auf wachsende Staatsausgaben und Silberknappheit reagierten.

215 n. Chr.: Der Antoninian als Krisenwährung

Kaiser Caracalla führte den Antoninian ein, eine Silbermünze mit einem nominellen Wert von zwei Denaren, deren tatsächlicher Silbergehalt aber deutlich geringer war als der zweier regulärer Denare. Diese Praxis beschleunigte die Inflation der folgenden Jahrzehnte erheblich.

3. Jahrhundert: Zusammenbruch des alten Systems

Im Zuge der Reichskrise des 3. Jahrhunderts verlor der Denar praktisch seinen Silbergehalt, und die reguläre Prägung von Sesterzen und anderen Bronzenominalen wurde um 264 n. Chr. eingestellt, da ihr Nennwert den Materialwert längst um ein Vielfaches überstieg.

Ab 301/312 n. Chr.: Die Reformen von Diokletian und Konstantin

Diokletian versuchte mit einer grundlegenden Währungsreform und dem berühmten Höchstpreisedikt von 301 n. Chr., die Inflation einzudämmen. Durchgesetzt hat sich letztlich die von Konstantin dem Großen um 312 n. Chr. eingeführte Goldmünze Solidus, die das spätantike und frühbyzantinische Münzsystem für Jahrhunderte prägen sollte.

Was konnte man sich für eine Münze kaufen?

Absolute Kaufkraftvergleiche mit heutigem Geld sind methodisch schwierig, da sich die Struktur von Preisen, Löhnen und Konsum grundlegend von der modernen Wirtschaft unterschied. Einige aus antiken Quellen und der Forschung überlieferte Anhaltspunkte helfen dennoch, ein Gefühl für die Größenordnungen zu bekommen:

  • Ein einfacher Tagelohn eines ungelernten Arbeiters lag in der frühen Kaiserzeit häufig in der Größenordnung eines Denars.
  • Der Jahressold eines Legionärs betrug unter Augustus etwa 225 Denare und wurde im Laufe der Kaiserzeit mehrfach angehoben, unter anderem durch Domitian und Septimius Severus.
  • Kleinere Alltagskäufe, etwa Brot oder einfache Mahlzeiten, wurden typischerweise in As oder Sesterzen bezahlt, während größere Anschaffungen und Vermögenswerte eher in Sesterzen oder Denaren angegeben wurden.
Vorsicht bei Kaufkraftvergleichen: Angaben zu antiken Löhnen und Preisen stammen aus verstreuten literarischen, epigrafischen und papyrologischen Quellen unterschiedlicher Zeit und Region. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres zu einer einzigen, für das gesamte Römische Reich gültigen Preistabelle verallgemeinern und sollten daher eher als grobe Orientierung denn als exakte Umrechnung verstanden werden.

Quellen und weiterführende Links

Dieser Beitrag fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen, wie er auf den verlinkten Seiten dargestellt wird. Die Quellenlage zu Preisen und Löhnen im Römischen Reich ist lückenhaft und regional uneinheitlich; einzelne Zahlenangaben zur Kaufkraft sind daher als grobe Näherungswerte zu verstehen.

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