Im Herbst des Jahres 9 n. Chr. wurden drei römische Legionen unter Publius Quinctilius Varus im Teutoburger Wald vernichtend geschlagen. Was danach folgte, war kein einzelner Rachefeldzug, sondern eine über sieben Jahre andauernde Auseinandersetzung, die schließlich in den großen Feldzügen des Germanicus (14 bis 16 n. Chr.) gipfelte. Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten militärischen Ereignisse dieser Epoche chronologisch ein.
Die Zeitleiste im Überblick
| Jahr | Ereignis | Beschreibung |
|---|---|---|
| 9 n. Chr. | Varusschlacht (Saltus Teutoburgensis) | Arminius, Fürst der Cherusker, vernichtet im Bündnis mehrerer germanischer Stämme die Legionen XVII, XVIII und XIX unter Statthalter Varus. Der vermutete Ort liegt bei Kalkriese im heutigen Landkreis Osnabrück. |
| 9–10 n. Chr. | Krisenreaktion und Truppenaufstockung | Augustus entsendet Tiberius an den Rhein. Die beiden verbliebenen Legionen werden durch sechs weitere ergänzt, sodass am Rhein rund 80.000 Mann stehen. |
| 11–12 n. Chr. | Vorsichtige Feldzüge des Tiberius | Wiederaufbau rechtsrheinischer Stützpunkte, Anlage von Wegschneisen (limites) und Flottenoperationen zur Sicherung der Küstenstämme, ohne größere offene Feldschlachten. |
| Ende 12 / Anfang 13 n. Chr. | Kommandowechsel | Germanicus übernimmt den Oberbefehl über das Rheinheer von Tiberius. |
| Herbst 14 n. Chr. | Feldzug gegen die Marser | Erster Feldzug des Germanicus nach Niederschlagung der Rheinmeuterei. Überraschungsangriff auf die feiernden Marser, Zerstörung des Tamfana-Heiligtums. |
| Frühjahr 15 n. Chr. | Feldzug gegen die Chatten | Vorstoß vom Oberrhein aus, Zerstörung des chattischen Hauptortes Mattium. Anschließend Entsatz des belagerten Segestes und Rettung von dessen Tochter Thusnelda. |
| Sommer 15 n. Chr. | Dreisäulen-Feldzug, Besuch der Varusschlacht-Stätte | Germanicus lässt das Heer in drei Kolonnen operieren. Ein Legionsadler der XIX. Legion wird geborgen. Das Heer erreicht den Ort der Varusschlacht und bestattet die Gebeine der Gefallenen. Eine unentschiedene Schlacht gegen Arminius folgt. |
| Herbst 15 n. Chr. | Schlacht an den Pontes longi | Auf dem Rückmarsch gerät das Heer des Legaten Caecina in sumpfigem Gelände in einen zweitägigen, verlustreichen Kampf mit Arminius. Ein römischer Ausfall wendet die Lage. |
| Herbst 15 n. Chr. | Sturmflut an der Nordseeküste | Beim Rückmarsch entlang der Küste reißt eine schwere Sturmflut Teile der Truppen des Legaten Publius Vitellius mit sich. |
| Frühjahr 16 n. Chr. | Feldzug gegen die Chatten und Entsatz von Aliso | Der Legat Silius zieht gegen die Chatten. Germanicus selbst entsetzt ein belagertes Kastell an der Lippe (vermutlich Aliso) und lässt einen zerstörten Drusus-Altar wiederherstellen. |
| Sommer 16 n. Chr. | Flottenlandung an der Emsmündung | Mit rund 1.000 Schiffen und acht Legionen verlegt Germanicus sein Heer über Nordsee und Ems ins Operationsgebiet – der logistische Höhepunkt der Feldzüge. |
| Sommer 16 n. Chr. | Schlacht bei Idistaviso | An einer Ebene an der Weser, vermutlich zwischen Minden und Rinteln, kommt es zur größten offenen Feldschlacht der augusteischen Germanenkriege. Das Heer des Arminius wird geschlagen, dieser selbst verwundet. |
| Sommer 16 n. Chr. | Schlacht am Angrivarierwall | Arminius stellt sich den Römern erneut an einem Langwall. Nach hartem Kampf behaupten die Römer das Feld, ohne den Gegner entscheidend zu schlagen. |
| Herbst 16 n. Chr. | Sturm auf See und Rückkehr an den Rhein | Auf der Rückfahrt gerät die Flotte in einen schweren Sturm mit erheblichen Verlusten. Ein weiterer Varus-Adler wird bei den Marsern geborgen. Auf Weisung des Tiberius werden die Feldzüge beendet. |
| 17 n. Chr. | Triumphzug des Germanicus | Am 26. Mai feiert Germanicus in Rom seinen Triumph. Thusnelda und weitere Gefangene werden im Zug mitgeführt. |
Einordnung: Was diese Jahre bedeuten
Die Zeitspanne zwischen 9 und 16 n. Chr. markiert das Ende der augusteischen Expansionspolitik in Germanien. Obwohl die Feldzüge des Germanicus militärisch mit zwei größeren Siegen endeten, gelang weder die dauerhafte Kontrolle des rechtsrheinischen Gebiets noch die entscheidende Zerschlagung der Arminius-Koalition. Kaiser Tiberius, der die Kriegsführung seines Adoptivsohnes zunehmend als riskant und konzeptlos ansah, beendete die Offensive 16 n. Chr. und rief Germanicus zurück.
Die wichtigsten Gegenspieler
- Arminius – Fürst der Cherusker, ehemaliger römischer Offizier, Anführer der germanischen Stammeskoalition und Sieger der Varusschlacht.
- Germanicus – Großneffe und Adoptivenkel des Augustus, Neffe und Adoptivsohn des Tiberius, Oberbefehlshaber am Rhein von 13/14 bis 16 n. Chr.
- Tiberius – Nachfolger des Augustus ab 14 n. Chr., setzte auf eine vorsichtigere Germanienpolitik und beendete schließlich die Offensive.
- Segestes – prorömischer Cheruskerfürst, Schwiegervater des Arminius und dessen innerstammlicher Gegenspieler.